Männer mit Schaufeln exhumieren ermordete Gefangene.

Mahnmal am Wenzelnberg Langenfeld

Langenfeld: Mahnmal am Wenzelnberg Orte der Polizeigeschichte

Daten und Fakten

Gesamtansicht des Mahnmals am Wenzelnberg in Langenfeld.
Gesamtansicht des Mahnmals (2023)

In einer Schlucht am Wenzelnberg in Langenfeld erinnert seit 1955 ein Mahnmal an eines der bekanntesten Endphasenverbrechen auf dem Gebiet des heutigen Landes Nordrhein-Westfalen – die Erschießung von 71 Häftlingen durch die Gestapo wenige Tage vor der Befreiung Langenfelds durch die Westalliierten.

  • Am 24. Januar 1945 richtete das Reichssicherheitshauptamt in einem Telegramm an die Leiter der Staatspolizei in Düsseldorf, Münster, Dortmund und Köln die Aufforderung, „ausländische Arbeiter und ehemalige deutsche Kommunisten“, die sich veranlasst sehen könnten, sich umstürzlerisch zu betätigen, „sofort zu vernichten“. Generalfeldmarschall Walter Model, der oberste Befehlshaber der Heeresgruppe B, erließ am 7. April den Tagesbefehl, Zuchtgefangene, die innerhalb vom Feind eingeschlossener Gefängnisse einsitzen, der Sicherheitspolizei zur „sicherheitspolizeilichen Überprüfung“ zu übergeben. Gleiches gelte für in den Strafanstalten einsitzende Untersuchungshäftlinge, wenn sie wegen politischer Vergehen oder Verbrechen in Haft oder wenn Zuchthaus- oder Todesstrafe zu erwarten seien.
     
  • Der „Höhere SS- und Polizeiführer West“, der SS-Obergruppenführer Karl Gutenberger in Essen erteilte am 8. April dem Kommandeur der Sicherheitspolizei Hans Henschke den entsprechenden Tagesbefehl, der ihn an den Leiter der Gestapo-Außenstelle in Wuppertal, Kriminalrat Josef Hufenstuhl weiterleitete. Am 10. April forderte der Wuppertaler Kriminalassistent Caspar Dahlmann den Leiter des Zuchthauses Remscheid-Lüttringhausen, Regierungsrat Dr. Karl Engelhardt, auf, 500 der dortigen Gefangenen  der Gestapo zur „sicherheitspolizeilichen Überprüfung“ zu übergeben. Dem Anstaltsleiter gelang es jedoch, die Zahl der Gefangenen zunächst auf 90 und anschließend – kurz vor dem Abtransport am 12. April – auf 55 zu reduzieren. Am nächsten Morgen wurden jedoch 5 weitere Häftlinge auf das Polizeipräsidium in Wuppertal überstellt. Aus anderen Haftanstalten (Wuppertal-Bendahl und Ronsdorf) wurden elf weitere Häftlinge an die Gestapo ausgeliefert.
     
  • Am 13. April 1945 in der Frühe wurden die Gefangenen auf LKWs in die Schlucht am Wenzelnberg transportiert, wo zuvor im Auftrag der Kriminalbeamten Burmann und Vogel eine Grube durch ausländische Zwangsarbeiter ausgehoben worden war. Dort wurden die Opfer paarweise aneinandergefesselt und von Gestapobeamten aus Solingen und Wuppertal durch Genickschuss getötet.
     
  • Nach der Befreiung von Langenfeld und Solingen durch US-Einheiten wurde das Massengrab am 17. April 1945 entdeckt. Am 27. April 1945 begann die vom US-amerikanischen Kampfkommandanten angeordnete  Exhumierung der Toten, bei der 40 zum Teil prominente Solinger NSDAP-Mitglieder eingesetzt wurden.
     
  • Karl Gutenberger wurde 1948 von einem britischen Militärgericht wegen der Erschießung ausländischer Arbeiter zu zwölf Jahren Haft verurteilt, allerdings wurde er 1953 aufgrund eines Gnadenaktes aus der Haft entlassen. Andere Strafverfahren gegen ihn wurden eingestellt. Hans Henschke wurde wegen der Tötung alliierter Staatsangehöriger 1948 von einem britischen Militärgericht ebenfalls zu zwölf Jahren Haft verurteilt und 1955 aus der Haft entlassen. Für das Verbrechen in der Wenzelnbergschlucht mussten er und Gutenberger sich nie verantworten. Josef Hufenstuhl beging am 24. Mai 1945 Selbstmord. Das 1948 von der Staatsanwaltschaft Wuppertal eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.
     
  • Einer der am Verbrechen beteiligten Wuppertaler Kriminalbeamten, Friedrich Karst, durfte nach dem Zweiten Weltkrieg seine Polizeilaufbahn fortsetzen und stieg zum ersten Leiter des Landeskriminalpolizeiamtes NRW auf. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens gab Karst 1948 zu, am Transport der Opfer zur Hinrichtungsstelle und dem Zuschaufeln des Massengrabes beteiligt gewesen zu sein, berief sich aber auf den Befehlsnotstands. In der Folgezeit musste er zwar die Leitung des Amtes abgeben, nahm aber bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1954 verschiedene Führungsaufgaben wahr.
     
  • Am 1. Mai 1945 wurden die Opfer vor dem Rathaus in Solingen-Ohligs im Beisein von 3000 Menschen, die von der Militärregierung zur Teilnahme aufgefordert worden waren, beigesetzt. Im Januar 1965 wurden die Toten erneut exhumiert und am Mahnmal in der Wenzelnbergschlucht im Rahmen einer Gedenkfeier beigesetzt.
     
  • 1982 wurde an der Mauer der JVA Lüttringhausen eine Gedenktafel zur Erinnerung an die politischen Häftlinge des NS-Regimes enthüllt.  

Fotos

  • Gedenktafel mit den Namen der Opfer des Massakers am Wenzelnberg in Langenfeld.
    Gedenktafel (2023)
  • Telegramm an die Staatspolizeileitstelle mit einem Mordbefehl.
    Mordbefehl per Telegramm (1945)
  • Grunsteinlegung des Mahnmals am Wenzelnberg in Langenfeld (1950).
    Grundsteinlegung (1950)
  • Porträtfoto von Dr. Karl Engelhardt.
    Porträt von Dr. Karl Engelhardt
  • Menschen während einer Trauerfeier.
    Trauerfeier in Solingen Ohigs
  • Männer mit Schaufeln exhumieren ermordete Gefangene.
    Exhumierung der Opfer (1945)
  • Exhumierung der Opfer des Massakers am Wenzelnberg.
    Exhumierung der Opfer (1945)
  • Exhumierung der Opfer des Massakers am Wenzelnberg in Langenfeld.
    Exhumierung der Opfer (1945)
  • Exhumierung der Opfer des Massakers am Wenzelnberg in Langenfeld.
    Exhumierung der Opfer (1945)
  • Gesamtansicht des Mahnmals am Wenzelnberg in Langenfeld.
    Gesamtansicht (2023)

Kontakt

Mahnmal Wenzelnberg

Gedenkpark
40764 Langenfeld (Rheinland)