Master ö.V. – für das Gemeinwohl engagiert studieren (Möwe)

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  • Externes Projekt | Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL)

Die öffentliche Verwaltung befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel und soziale Ungleichheit, sowie eine wachsende Erwartungshaltung an Transparenz, Teilhabe und Nachhaltigkeit verlangen von Verwaltungsbeschäftigten mehr als nur fachliche Kenntnisse. Sie müssen in der Lage sein, komplexe Probleme zu erfassen, kreative und nachhaltige Lösungen zu entwickeln und dabei die Interessen aller gesellschaftlicher Gruppen zu berücksichtigen.

Die traditionelle Ausrichtung von Verwaltungsstudiengängen auf Rechtsanwendung und formale Verfahrenslogiken erscheint angesichts der dynamischen Herausforderungen unserer Zeit nicht mehr ausreichend. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt Möwe setzt an diesem Spannungsfeld an.

Den Kern des Projekts bildet die Weiterentwicklung des Studiengangs „Master of Public Management“ (MPM), der zukünftig stärker fokussiert sowohl Führungskompetenzen als auch soziale Verantwortung für das Gemeinwesen und den Umgang mit Künstlicher Intelligenz vermitteln soll. Der hierfür gewählte Ansatz ist bundesweit einzigartig: Er verbindet die fachliche Expertise der Verwaltungshochschule mit einem tiefgreifenden Wertebegriff (Gemeinwohl) und einem innovativen Lehr-Lern-Konzept, das Lernen durch Engagement (Service Learning) in den Mittelpunkt stellt. Dabei werden die aktuellen Anforderungen, die sich aus den Modernisierungsbedarfen der öffentlichen Verwaltung und der Verfügbarkeit Künstlicher Intelligenz in allen Bereichen des Bildungssystems ergeben, einbezogen.

Ziele

Das Projekt Möwe verfolgt drei zentrale Zielsetzungen, die sich über die Ebene des Individuums, der Wissenschaft und der Gesellschaft erstrecken:

Die Masterstudierenden sollen nicht nur Wissen erwerben, sondern durch Handeln lernen. Der neue Studiengang setzt somit verstärkt auf projektförmige Lehrveranstaltungen, in denen Studierende gemeinsam mit Behörden und zivilgesellschaftlichen Gruppen reale Probleme bearbeiten – etwa in den Bereichen Stadtentwicklung, soziale Gerechtigkeit oder Klimaschutz. Dabei werden sie sensibilisiert für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Lebensbedingungen von Menschen und die Umwelt. Durch interaktive Selbststudienelemente mit KI-gestützten Lerntools, durch Wahlmöglichkeiten für individuelle Kompetenzprofile und durch Lernreflexionen, unter anderem im Rahmen von Portfolioprüfungen, wird die Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung der Studierenden im Lernprozess gefördert.

Als Hochschulforschungsprojekt untersucht Möwe unter anderem wie eine gemeinwohlorientierte Ausrichtung in der Verwaltungslehre umgesetzt werden kann. Dazu werden neue Kompetenzmodelle entwickelt, die auf der „Gemeinwohlmatrix“ basieren – einem Instrument, das fünf zentrale Werte erfasst: Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie Transparenz und demokratische Mitbestimmung. Diese Werte werden im neuen Curriculum als Querschnittsthematik in allen Modulbeschreibungen und Prüfungsformen abgebildet. Durch Praxisforschung zeigen die Projekte im Studiengang MPM, wie auf dieser Grundlage Problemlösungen im Verwaltungshandeln verwirklicht werden können.

Die Hochschule will mit dem Projekt Möwe als „Blaupause“ für die Reform der akademischen Verwaltungsausbildung in Deutschland dienen. Die entwickelten Konzepte – von der agilen Studiengangsentwicklung über die KI-gestützte Datenanalyse bis hin zu den Service-Learning-Projekten – sollen auch in den Bachelorstudiengängen der HSPV NRW sowie in verwaltungswissenschaftlichen und Public-Management-Studiengängen anderer Hochschulen nutzbar sein. So soll ein neues, zukunftsorientiertes Verständnis von Führung in der öffentlichen Verwaltung entstehen: eine lernende Verwaltung als Dienst am Gemeinwohl.

Verfolgter Ansatz und Arbeitsprozess

Das Projekt Möwe verfolgt einen agilen, partizipativen und forschungsgeleiteten Ansatz, der die Neugestaltung des Masterstudiengangs als kontinuierlichen, reflexiven Prozess begreift und der sich an den Bedürfnissen der Praxis, der Studierenden und der Gesellschaft orientiert.

  • Der Prozess beginnt mit einer systematischen Analyse der aktuellen und zukünftigen Anforderungen an Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung. Dabei werden nicht nur theoretische Konzepte aus der Verwaltungswissenschaft, sondern auch Informationen über die aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Verwaltungspraxis aus der Perspektive der berufsbegleitend Studierenden sowie von Vertreterinnen und Vertretern der Berufspraxis einbezogen. Unterstützt wird dieser Prozessschritt durch Methoden wie KI-gestützte Datenanalysen sowie expertenbasierte Einschätzungen und Zukunftsprognosen.
     
  • Auf dieser Grundlage wird ein gemeinwohlorientiertes Kompetenzmodell ausgestaltet, das die zentralen Werte wie Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Transparenz und demokratische Mitbestimmung in den Mittelpunkt stellt. Dieses Modell liefert die Orientierung für eine agile Studiengangsentwicklung in enger Zusammenarbeit mit Lehrenden, Studierenden sowie Praxisvertreterinnen und -vertretern.
     
  • Die Umsetzung des neuen Studiengangskonzepts ab dem Studienjahr 2027/2028 erfolgt in iterativen Entwicklungsphasen, in denen die neuen Lehr- und Lernformate – insbesondere projektförmige Lehrveranstaltungen und Service-Learning-Formate – in der Praxis erprobt, reflektiert und kontinuierlich verbessert werden. Dabei steht die Lernwirkung im Fokus: Wie wirken sich die neuen Ansätze auf die Kompetenzentwicklung der Studierenden aus? Welche Rolle spielen die zivilgesellschaftlichen Partner? Wie können die Lehrveranstaltungen möglichst optimal auf die gesellschaftlichen Anforderungen an Verwaltungspraxis ausgerichtet werden?
     
  • Ein weiterer zentraler Baustein des Projekts ist die systematische projektbegleitende Evaluation. Durch die Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden wird die Entwicklung der Studierendenkompetenzen, die Akzeptanz der neuen Studienformate sowie die Berufsfeldrelevanz der vermittelten Inhalte kontinuierlich überprüft und in die Weiterentwicklung eingebunden.
     
  • In der abschließenden Projektphase werden die im Projekt erzielten Ergebnisse und gewonnenen Erkenntnisse für deren nachhaltige organisationale Verankerung und zielgerichteten Transfer – sowohl innerhalb der HSPV NRW als auch darüber hinaus – nutzbar gemacht. So sollen die Projektergebnisse und -erfahrungen in einem dafür vorgesehenen Transferprozess mit anderen Hochschulen und Verwaltungsnetzwerken geteilt werden.


Das vierjährig angelegte Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Henrique Ricardo Otten und Prof. Dr. Malte Schophaus beinhaltet sieben Arbeitspakete, die mit Unterstützung durch ein Team von fünf Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern bearbeitet werden. Gesamtverantwortliche für das Projekt an der HSPV NRW ist Vizepräsidentin Prof. Dr. Iris Wiesner.