Letzter Aufruf zum BoardingCandidate Personas in der Verwaltung
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- Florian Gilbert
- Duisburg,
- Studierende

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Wie kann die Stadt Rees potenzielle Bewerberinnen und Bewerber noch zielgerichteter durch den Bewerbungsprozess begleiten?
Eine Reise beginnt lange vor dem eigentlichen Aufbruch. Sie startet mit einer ersten Idee, führt über verschiedene Etappenziele, Begegnungen und kleinere Herausforderungen und endet bestenfalls am gewünschten Ziel. Ganz ähnlich verläuft die sogenannte Candidate Journey: die Reise potenzieller Bewerberinnen und Bewerber von der ersten Wahrnehmung einer Organisation über die Bewerbung und das Auswahlverfahren bis hin zum Einstieg in die Organisation.
Mit diesem Bild beschäftigten sich neun Studierende des Bachelorstudiengangs „Kommunaler Verwaltungsdienst – Allgemeine Verwaltung“ am Studienort Duisburg intensiv im Rahmen ihres HSPV-Praxisprojekts bei der Stadtverwaltung Rees. Unter dem Projekttitel „Und plötzlich beworben… bei der Stadt Rees“ untersuchten sie von April bis Juni 2026, wie die Stadt potenzielle Bewerberinnen und Bewerber noch zielgerichteter erreichen und durch den Bewerbungsprozess begleiten kann.
Wie viele Kommunalverwaltungen steht auch die Stadt Rees vor der Herausforderung, qualifizierte Nachwuchs- und Fachkräfte zu gewinnen. Dabei konkurriert sie nicht nur mit anderen öffentlichen Arbeitgebern am Niederrhein, sondern auch mit der Privatwirtschaft. Ziel des Projekts war es deshalb, die bestehenden Kommunikationsmaßnahmen und Bewerbungsprozesse entlang der Candidate Journey zu analysieren, unterschiedliche Zielgruppen genauer zu betrachten und konkrete Ansätze für eine bewerberorientierte Personalgewinnung zu entwickeln.
Hierzu werteten die Studierenden Fachliteratur, bislang genutzte Kommunikationskanäle und bestehende Bewerbungsprozesse aus. Ergänzend führten sie leitfadengestützte Interviews und analysierten die gewonnenen Daten systematisch. Auf dieser Grundlage entstanden elf datenbasierte Candidate Personas. Diese repräsentieren unterschiedliche Zielgruppen aus den Bereichen allgemeine Verwaltung, Bauingenieurwesen und Stadtplanung, IT sowie Ausbildung und Studium. Die Personas machen unter anderem sichtbar, über welche Kanäle potenzielle Bewerberinnen und Bewerber erreicht werden, welche Informationen sie benötigen und welche Faktoren ihre Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung beeinflussen.
Aus den Ergebnissen entwickelte die Projektgruppe zahlreiche praxisnahe Handlungsempfehlungen. Diese betreffen unter anderem die Karriereseite, Stellenanzeigen, Social-Media-Aktivitäten, Jobportale, Ausbildungs- und Berufsmessen sowie die Kommunikation während des Bewerbungs- und Auswahlverfahrens. Darüber hinaus konzipierten die Studierenden innerhalb der bereits bei der Stadt Rees eingesetzten Anwendung „merlin_assistiert“ einen KI-Assistenten. Dieser greift auf die entwickelten Personas und die Projektergebnisse zurück und kann künftig beispielsweise bei der Auswahl geeigneter Recruiting-Kanäle, der zielgruppengerechten Gestaltung von Stellenanzeigen und der Entwicklung von Social-Media-Beiträgen unterstützen.
Passend zur Candidate Journey entwickelten die Studierenden im Rahmen ihrer Abschlusspräsentation eine Reisegeschichte und setzten ihre Ergebnisse mit der visuellen Moderationsmethode Facilitaping in Szene. Aus Folien wurden Stationen, aus Analyseergebnissen wurde eine gemeinsame Talentreise und aus den wichtigsten Handlungsempfehlungen wurden Take-aways auf einer Bordkarte. Das Ergebnis war eine interaktive, stringente und anschauliche Präsentation, die beim anwesenden Fachpublikum auf große Zustimmung stieß.
Die Stadt Rees würdigte die Projektarbeit als gelungenes Beispiel für einen praxisnahen Wissenstransfer zwischen Hochschule und Verwaltung. Die entwickelten Personas und Handlungsempfehlungen sollen dazu beitragen, Bewerberansprache, Stellenanzeigen und Recruiting-Kanäle künftig noch genauer an den Bedürfnissen unterschiedlicher Zielgruppen auszurichten.
Das Projekt zeigt damit nicht nur, wie wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse unmittelbar für die Verwaltungspraxis nutzbar gemacht werden können. Es zeigt auch, wie Kompetenzentwicklung jenseits tradierter Präsentations- und Lernstrukturen gelingen kann: mit Eigenverantwortung, Kreativität, methodischem Mut und sichtbarer Freude am gemeinsamen Ergebnis.





